Für viele Industrie- und Gewerbestandorte war der Business Case bislang klar: Wer Strom aus direktverbundenen Erzeugungsanlagen am Standort nutzt, dekarbonisiert nicht nur den eigenen Stromverbrauch, sondern spart Steuern, Umlagen und den verbrauchsabhängigen Arbeitspreis des Netzentgelts. Gerade die vermiedenen Netzentgelte waren bisher wesentlicher Treiber der Wirtschaftlichkeit von Onsite-Erneuerbaren zur Eigenversorgung.
Mit der Reform der Netzentgeltsystematik (AgNes) stellt sich daher die Frage: Bleiben Erneuerbare und Batteriespeicher zur Eigenversorgung per Direktleitung wirtschaftlich attraktiv?
Die Bundesnetzagentur hat nun erste Eckpunkte veröffentlicht:
- Für große Verbraucher (> 100.000 kWh/a) zeichnet sich ein Modell ab, bei dem eine bestellte Netzanschlussleistung in den Mittelpunkt rückt. Neben einem kapazitätsbezogenen Entgelt gilt innerhalb der bestellten Anschlussleistung ein regulärer Arbeitspreis; bei Überschreitung der bestellten Anschlussleistung fallen deutlich höhere Arbeitspreise an (200-350 % des regulären Arbeitspreises). Dynamische Netzentgelte für Verbraucher sind vorerst nicht verpflichtend vorgesehen.
- Für Erzeugungsanlagen soll ein kapazitätsbezogenes Einspeiseentgelt eingeführt werden: Größenordnung 4-7 €/kW/a. Entscheidend ist die Netzanschlusskapazität, nicht die Erzeugungsleistung. Damit rückt die optimale Dimensionierung von Erzeugungsanlage und Netzanschluss in Abhängig der direkten Stromabnahme am Standort in den Fokus. Eine Einführung dynamischer Erzeugungsnetzentgelte ist erst in den 2030er Jahren geplant.
- Auch für Batteriespeicher fällt ein kapazitätsbezogenes Netzentgelt an. Bei Kombination mit einer Erzeugungsanlage soll eine Doppelbelastung allerdings vermieden werden. Auch hier ist für die 2030er Jahre eine Einführung dynamischer Netzentgelte geplant.
Erste Einschätzung: Der Business Case verschwindet nicht, wird aber anspruchsvoller.
Der wirtschaftliche Erfolg des Business Cases hängt künftig umso mehr von der optimalen Dimensionierung von Erzeugungsanlage, Speicher und Netzanschlussleistung ab. Entscheidend dabei ist, dass die einzelnen Komponenten nicht isoliert, sondern gemeinsam und unter Berücksichtigung des Verbrauchsprofils am Standort betrachtet werden.
Bei r2b analysieren wir genau diese Fragestellungen mit unserem Decarbonisation Optimisation Model: Wir optimieren Erzeugungsanlage, Batteriespeicher und Netzanschlusskapazität unter Berücksichtigung räumlich und zeitlich hochauflösender Verbrauchs- und Erzeugungsprofile am Standort. Ziel ist die Identifikation maßgeschneiderter Stromversorgungsstrategien durch die Potenziale der Erneuerbaren vor Ort.
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Fabian Roloff
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